Ermittler dokumentiert Mordermittlungen in Buchform
Der dänische Mordermittler Martin Wittrup Enggaard hat am 4. September 2025 sein Buch 'Endnu et drab' (auf Deutsch: 'Noch ein Mord') veröffentlicht. Der 1985 geborene Kriminalbeamte arbeitet in der Mordkommission der Kopenhagener Polizei sowie in der nationalen Mordeinheit Dänemarks und gewährt mit seinem Werk einen ungewöhnlich tiefen Einblick in die Arbeit dänischer Mordermittler.
Vom Notruf bis zur Vernehmung
Das im Verlag Klim erschienene Buch konzentriert sich nicht auf einen einzelnen Fall, sondern beschreibt systematisch die Arbeit der Polizei bei Mordermittlungen. Enggaard dokumentiert den gesamten Prozess: von den ersten Notrufen in der Einsatzzentrale über die kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort bis hin zu den Vernehmungen von Zeugen und Verdächtigen.
Dabei zeigt der Autor nicht nur die methodischen Abläufe, die bei dänischen Morduntersuchungen zum Einsatz kommen, sondern thematisiert auch die psychischen Belastungen, denen Ermittler bei der Aufklärung solcher Verbrechen ausgesetzt sind.
Anonymisierung zum Schutz der Betroffenen
Um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden und Angehörige von Mordopfern zu schützen, hat Enggaard alle Details aus den realen Fällen, die er in seinem Buch präsentiert, anonymisiert. Die dargestellten Mordfälle basieren zwar auf seiner tatsächlichen Ermittlungsarbeit, wurden aber so verfremdet, dass keine Rückschlüsse auf konkrete Personen oder Verfahren möglich sind.
Ungewöhnliche Form: Mordermittlung als Langgedicht
'Endnu et drab' unterscheidet sich in seiner Form deutlich von klassischen Fachbüchern oder True-Crime-Berichten. Enggaard hat sein Werk als Langgedicht oder lyrisches Werk verfasst – eine ungewöhnliche Wahl für ein Buch über Polizeiarbeit. Der Autor verfolgt damit das Ziel, Kriminalgeschichten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, ohne dabei an Ernsthaftigkeit oder Genauigkeit einzubüßen.
Engagement für moderne Ermittlungsmethoden
Martin Wittrup Enggaard ist in Dänemark nicht nur als Buchautor bekannt, sondern auch als Verfechter moderner Ermittlungsmethoden in der Rechtspolitik. Im Jahr 2023 initiierte er ein Bürgerbegehren, das erfolgreich war: Seitdem darf die dänische Polizei genetische Genealogie – die Analyse von DNA-Daten in Verbindung mit Stammbaumforschung – zur Aufklärung von Mord- und schweren Gewaltverbrechen einsetzen.
Diese Methode, die in den USA bereits mehrere aufsehenerregende Cold Cases lösen half, ermöglicht es Ermittlern, über DNA-Datenbanken entfernte Verwandte von Tätern zu identifizieren und so Verdächtige einzugrenzen.
Zweites Buch im gleichen Monat
Im selben Monat wie 'Endnu et drab' veröffentlichte Enggaard einen weiteren Gedichtband mit dem Titel 'Enhver kontakt efterlader spor' (auf Deutsch: 'Jeder Kontakt hinterlässt Spuren'). Der Titel ist eine direkte Referenz an das Locard'sche Austauschprinzip, einen der Grundsätze der Kriminaltechnik. Dieses besagt, dass bei jedem Kontakt zwischen zwei Objekten oder Personen zwangsläufig Spuren ausgetauscht werden – ein Prinzip, das für die forensische Arbeit von zentraler Bedeutung ist.
Die beiden Veröffentlichungen zeigen Enggaards Bestreben, seine beruflichen Erfahrungen als Mordermittler mit literarischen Ausdrucksformen zu verbinden und damit eine Brücke zwischen der oft nüchternen Polizeiarbeit und der emotionalen Dimension von Gewaltverbrechen zu schlagen.