Torben Vigh verbrachte 30 Jahre seines Lebens damit, die wichtigsten Personen Dänemarks zu schützen. Der 1957 geborene ehemalige Polizeibeamte war Leibwächter beim dänischen Nachrichtendienst PET und begleitete Königin Margrethe II., den heutigen König Frederik X., Königin Mary und weitere Mitglieder der Königsfamilie durch Jahrzehnte dänischer Geschichte.
Vom Motorradpolizisten zum Eliteleibbwächter
Torben Vigh begann seine Polizeikarriere 1979 bei der Polizeistation Gentofte nördlich von Kopenhagen. Nach Stationen am Flughafen Kastrup und bei der Polizei Frederiksberg wurde er 1983 Motorradpolizist – eine Tätigkeit, die besondere Fahrzeugbeherrschung und schnelle Reaktionsfähigkeit erforderte.
Der entscheidende Karriereschritt erfolgte 1984, als Vigh zur Spezialeinheit des PET (Politiets Efterretningstjeneste, des dänischen Inlands-Nachrichtendienstes) wechselte. Nach fünf Jahren in dieser Actioneinheit wurde er 1987 in den exklusiven Bodyguard Service des PET aufgenommen – eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung 2017 innehaben sollte.
Schutz für Königin, Prinzen und Mohammed-Kritiker
Als Leibwächter beim PET trug Vigh die Verantwortung für die Sicherheit der prominentesten Personen des Landes. Er schützte Königin Margrethe II., den damaligen Kronprinzen Frederik (heute König Frederik X.), Königin Mary, Prinz Henrik und Prinz Joachim.
Den Großteil seiner operativen Einsätze verbrachte Vigh an der Seite von Kronprinz Frederik, den er über Jahrzehnte begleitete – von dessen Zeit als junger Thronfolger bis zu seiner Krönung als König 2024.
Doch nicht nur die Königsfamilie gehörte zu seinen Schutzbefohlenen. Vigh war auch für die Sicherheit von Mohammed-Kritikern zuständig, die in Dänemark unter permanenter Bedrohung standen, sowie für zahlreiche internationale Politiker bei ihren Besuchen im Land.
Einsatz in Europas gefährlichster Straße
Vighs Karriere führte ihn weit über die Grenzen Dänemarks hinaus. Während der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren wurde er als Sicherheitschef ins kriegsgebeutelte ehemalige Jugoslawien entsandt. Dort arbeitete er unter anderem auf der berüchtigten "Sniper Alley" in Sarajevo – einer Straße, die während der Belagerung der Stadt zu den gefährlichsten Orten Europas zählte.
Die Erfahrungen aus diesen Kampfeinsätzen verschafften ihm einzigartige Einblicke in die Arbeit von Sicherheitskräften unter extremen Bedingungen. Diese praktische Erfahrung in Krisengebieten machte ihn zu einem der erfahrensten Personenschützer im dänischen Sicherheitsapparat.
Nach der Pensionierung: Sicherheit für das Parlament
Nach 38 Jahren im Polizeidienst ging Torben Vigh 2017 in Pension. Doch mit dem Ruhestand war für ihn nicht Schluss: Er wechselte zur Service- und Sicherheitseinheit des Folketing, des dänischen Parlaments, wo er seine Expertise weiterhin einbringt.
Memoiren eines Leibwächters
Im März 2022 veröffentlichte Vigh gemeinsam mit der Autorin Thea Pedersen sein Erinnerungsbuch "Mine 30 år som livvagt" (Meine 30 Jahre als Leibwächter) beim Verlag Lindhardt og Ringhof. Das Buch war sein erstes größeres Projekt nach der Pensionierung.
In seinen Memoiren gewährt Vigh seltene Einblicke in die Arbeit des PET und die Herausforderungen beim Schutz der wichtigsten Personen des Landes. Er erzählt Geschichten aus drei Jahrzehnten im Dienst und beleuchtet die Entwicklung dänischer Sicherheitspolitik.
Zeuge einer Zeitenwende
Torben Vighs Karriere spiegelt eine entscheidende Periode der dänischen Sicherheitspolitik wider: von den letzten Jahren des Kalten Krieges über die internationalen Einsätze der 1990er Jahre bis hin zur Antiterrorismus-Ära der 2000er Jahre.
Er war Zeuge sowohl von Friedenszeiten als auch von Krisen und hat mit seiner Erfahrung die Sicherheitsmaßnahmen rund um die dänische Monarchie und das Folketing mitgeprägt. Seine drei Jahrzehnte im Schatten der Macht bieten ein einzigartiges Zeitzeugnis dänischer Geschichte aus der Perspektive eines Mannes, dessen Aufgabe es war, im Hintergrund zu bleiben – und dabei stets wachsam zu sein.