Herbert Richard Baumeister wurde am 7. April 1947 geboren und entwickelte sich zu einem erfolgreichen Geschäftsmann, der eine Kette von Second-Hand-Läden namens "Sav-A-Lot" betrieb. Nach außen hin war er ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, das in einem imposanten Anwesen in Westfield, Indiana, lebte – zusammen mit seiner Ehefrau Julie und drei Kindern. Doch hinter dieser Fassade verbarg sich einer der verstörendsten Serienmord-Fälle Amerikas.
Das idyllische Anwesen wird zum Tatort
1988 zog Baumeister auf sein 18 Hektar großes Grundstück, die Fox Hollow Farm, die zum Schauplatz seiner brutalsten Verbrechen werden sollte. Im Herbst 1994 machte sein Sohn Edward eine schreckliche Entdeckung auf dem Gelände: ein teilweise vergrabenes menschliches Skelett. Als der Sohn seinen Vater zur Rede stellte, erklärte Baumeister einfach, es gehöre seinem verstorbenen Vater – eine Lüge, die erst Jahre später aufgedeckt werden sollte.
Die Familie lebte ahnungslos auf einem Grundstück, das sich als Friedhof für zahlreiche Mordopfer entpuppen sollte. Baumeister nutzte die Abwesenheit seiner Familie – wenn Julie mit den Kindern auf Reisen war – um seine tödlichen Aktivitäten ungestört auszuüben.
Verdacht und verweigerte Durchsuchung
Der Verdacht gegen Baumeister wuchs, und die Polizei beantragte im November 1995 einen Durchsuchungsbeschluss für Fox Hollow Farm. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt – eine Fehleinschätzung mit tragischen Konsequenzen. Erst nach weiteren Ermittlungen erhielten die Behörden im Juni 1996 endlich die Genehmigung für eine gründliche Durchsuchung des Anwesens.
In der Zwischenzeit ging das Leben auf der Farm scheinbar normal weiter. Baumeister führte sein Geschäft, während die Überreste seiner Opfer unter der Erde auf seinem eigenen Grundstück lagen. Seine Ehefrau Julie reichte schließlich die Scheidung ein, was den Ermittlern letztendlich den Zugang zum Anwesen ermöglichte.
Makabrer Fund auf der Farm
Am 24. Juni 1996 begann die Polizei mit der Untersuchung von Fox Hollow Farm. Was sie fanden, übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen: Menschliche Überreste von mindestens 7 bis 12 Personen wurden auf dem Anwesen entdeckt – über Jahre hinweg auf seinem eigenen Grund vergraben.
Die Ermittler stießen auf Knochen und Knochenfragmente, die über das gesamte Waldstück verteilt waren. Viele der Überreste waren so stark verwest oder verbrannt, dass eine Identifizierung schwierig bis unmöglich wurde. Dennoch konnten einige der Opfer identifiziert werden – es handelte sich ausnahmslos um junge Männer.
Der I-70 Strangler
Baumeister wurde auch verdächtigt, der sogenannte "I-70 Strangler" zu sein – ein Name, der sich auf die amerikanische Interstate 70 bezieht, wo zwischen 1980 und 1991 etwa 9 bis 11 junge Männer in Indiana und Ohio ermordet wurden. Die Opfer waren überwiegend junge homosexuelle Männer, die zuletzt in Schwulenbars in Indianapolis gesehen worden waren.
Augenzeugen berichteten, dass ein Mann, der auf Baumeisters Beschreibung passte, in diesen Bars gesehen wurde. Er soll unter verschiedenen Pseudonymen aufgetreten sein, darunter "Brian Smart". Baumeister lockte seine Opfer offenbar unter Vorwänden auf seine Farm, wo er sie dann ermordete.
Die Mordserie entlang der Interstate 70 wies ein klares Muster auf: Die Opfer wurden erwürgt, ihre Leichen an Rastplätzen oder in abgelegenen Gebieten entlang der Autobahn abgelegt. Nach Baumeisters Tod konnten diese Morde nie abschließend aufgeklärt werden, da er nie vor Gericht gestellt wurde.
Flucht und Tod
Als die Durchsuchung seines Anwesens begann und Haftbefehle ausgestellt wurden, floh Baumeister nach Norden in Richtung Grand Bend in Ontario, Kanada. Dort endeten seine Tage am 3. Juli 1996, als er sich mit einer .357 Magnum-Pistol das Leben nahm.
Er hinterließ einen dreiseitigen Abschiedsbrief, in dem er sich ausschließlich mit finanziellen Problemen und dem Scheitern seiner Ehe beschäftigte. Die Morde erwähnte er mit keinem Wort. Bis heute gibt es keine formelle Verurteilung, keine Geständnisse – nur die stummen Zeugnisse der auf seiner Farm gefundenen Überreste.
Das Vermächtnis eines Monsters
Die Fox Hollow Farm steht noch heute und wurde mehrfach verkauft. Neue Eigentümer berichteten von paranormalen Aktivitäten, und das Anwesen wurde zu einem makabren Anziehungspunkt für True-Crime-Interessierte. Baumeister selbst wurde nie offiziell für die Morde angeklagt, was viele Familien der Opfer ohne Abschluss zurückließ.
Experten schätzen, dass Baumeister möglicherweise für bis zu 25 Morde verantwortlich sein könnte. Die genaue Zahl seiner Opfer wird wohl nie bekannt werden. Sein Fall zeigt erschreckend deutlich, wie lange ein Serienmörder unentdeckt bleiben kann, wenn er hinter der Fassade eines respektablen Bürgers operiert.
Die Geschichte von Herbert Baumeister erinnert daran, dass das Böse oft dort lauert, wo man es am wenigsten erwartet – hinter weißen Zäunen und gepflegten Rasenflächen einer scheinbar perfekten amerikanischen Familie.