Clifford Robert Olson Jr. (1940–2011) war ein kanadischer Serienmörder, dessen neunmonatige Mordserie 1980 bis 1981 ihn zu einem der berüchtigtsten Verbrecher Kanadas machte. Seine Taten und der anschließende Deal mit den Behörden erschütterten das Land nachhaltig.
Eine Karriere im Verbrechen
Olson hatte bereits vor seiner Mordserie eine umfangreiche kriminelle Vergangenheit. Seine erste Verhaftung erfolgte 1957, als er noch Jugendlicher war. Bis 1980 wurde er insgesamt 94 Mal festgenommen – wegen Betrugs, bewaffneten Raubüberfalls, Sexualdelikte, Waffenbesitz und Einbruchsdelikten.
Trotz dieser außergewöhnlich belasteten Vorgeschichte wurde Olson wiederholt auf Bewährung freigelassen. Diese Entscheidung sollte sich als verhängnisvolle Fehleinschätzung der kanadischen Justiz erweisen und elf jungen Menschen das Leben kosten.
Die Mordserie in British Columbia
Zwischen November 1980 und Juli 1981 ermordete Olson systematisch elf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und achtzehn Jahren. Die Taten ereigneten sich im sogenannten Lower Mainland, dem Großraum Vancouver in der Provinz British Columbia an der kanadischen Westküste.
Olson lockte seine Opfer mit verschiedenen Vorwänden in sein Auto. Die Kinder und Teenager stammten häufig aus schwierigen Verhältnissen oder waren Ausreißer – Opfergruppen, die in der damaligen Zeit weniger gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhielten.
Verhaftung und Durchbruch
Am 12. August 1981 wurde Olson verhaftet, als er versuchte, zwei Mädchen in sein Fahrzeug zu locken. Bei der Durchsuchung seines Notizbuches stieß die Polizei auf die Adresse eines der Opfer – ein entscheidender Hinweis, der den Fall ins Rollen brachte.
Doch die Ermittler standen vor einem Problem: Mehrere Kinder und Jugendliche galten noch als vermisst, und die Angehörigen hatten keine Gewissheit über das Schicksal ihrer Kinder. Olson erkannte seine Verhandlungsposition – und nutzte sie auf die zynischste erdenkliche Weise.
Der skandalöse "Cash-for-Bodies"-Deal
Olson handelte mit der Polizei und den Staatsanwälten einen Deal aus, der in der kanadischen Rechtsgeschichte beispiellos bleiben sollte: Er erhielt 10.000 kanadische Dollar für jeden Leichenfundort, den er preisgab. Insgesamt wurden 100.000 Dollar an seine Ehefrau und seinen kleinen Sohn ausgezahlt.
Diese Vereinbarung löste eine nationale Debatte aus. Kritiker warfen den Behörden vor, einen Serienmörder für seine Verbrechen zu belohnen und einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen. Befürworter argumentierten, dass die Angehörigen ein Recht auf Gewissheit hätten und würdevolle Bestattungen ermöglicht werden müssten.
Der "Cash-for-Bodies"-Deal wurde zum Synonym für das moralische Dilemma zwischen Strafverfolgung und dem Bedürfnis nach Aufklärung und Abschluss für Opferfamilien.
Verurteilung und Haft
Im Januar 1982 bekannte sich Olson in allen elf Anklagepunkten des Mordes schuldig. Das Gericht verhängte elf lebenslange Haftstrafen, die gleichzeitig verbüßt werden sollten – nach kanadischem Recht bedeutete dies faktisch eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Olson wurde in der Special Handling Unit untergebracht, einem Hochsicherheitstrakt im Gefängnis Sainte-Anne-des-Plaines in der Provinz Quebec. Diese Einrichtung ist für die gefährlichsten Straftäter Kanadas reserviert.
Der Verurteilte zeigte während seiner gesamten Haftzeit keinerlei Reue. Im Gegenteil: Er bezeichnete sich selbst als "The Beast of British Columbia" (Das Biest von British Columbia) und genoss offensichtlich die Aufmerksamkeit, die ihm seine Verbrechen einbrachten. Mehrfach stellte er erfolglos Anträge auf vorzeitige Entlassung.
Tod im Gefängnis
Clifford Olson starb im September 2011 im Alter von 71 Jahren an Krebs, nachdem er fast 30 Jahre seiner Strafe verbüßt hatte. Er verbrachte sein gesamtes Leben hinter Gittern, ohne jemals echte Reue für seine Taten zu zeigen.
Sein Tod löste in Kanada gemischte Reaktionen aus. Während einige Angehörige Erleichterung äußerten, dass er nie wieder Schaden anrichten könne, betonten andere, dass keine Strafe das Leid ausgleichen könne, das er über so viele Familien gebracht hatte.
Das Vermächtnis eines Monsters
Der Fall Clifford Olson führte zu grundlegenden Veränderungen im kanadischen Justizsystem. Die Bewährungspraxis wurde verschärft, und die Überwachung von Sexualstraftätern intensiviert. Der "Cash-for-Bodies"-Deal wurde offiziell als Fehler eingeräumt und sollte nie wieder wiederholt werden.
Für die Angehörigen der Opfer bleibt der Name Olson ein Synonym für unsägliches Leid. Elf junge Leben wurden ausgelöscht, elf Familien für immer zerstört – durch einen Mann, den das System zu oft unterschätzt und zu früh freigelassen hatte.